Kabarett der Gegensätze: Über Rentner und Merkel-Parodien

Unterschiedlicher konnten die Künstler des 3. Spieltags der Kabarett-Bundesliga nicht sein. Da gab es den straighten Dialektakrobaten Benjamin Eisenberg, der gekonnt jeden beliebigen Politiker parodiert und zum anderen den lässigen Rappertypen Robert Alan, ein Kind der Achtziger Jahre mit Rolling Stones Shirt und derben Witzen über Frauen, Männer und Rentner. Beide traten am Freitag, 27. Januar 2017, im Theater 3 gegeneinander an. Jeder nutzte die 45 Minuten auf seine eigene Art und Weise, beide aber brachten das Goslarer Publikum zum Lachen und Applaudieren. Und wenn am Ende jeder Gast mit einem Schmunzeln den Saal verlässt, haben beide Künstler ihre Sache genau richtig gemacht.

Roll-ups und Plakate weisen den Weg in den Kinosaal.

 

Ein Gläschen Wein oder Sekt rundet den Abend ab.

 

“Wieder mal müsst ihr mit dem Trainer vorlieb nehmen. Der Bundestrainer ist gerade faul und liegt nur rum. Wer RTL verfolgt, wird ihn ab und zu beim Dschungelcamp sehen – getarnt als Marc Terenzi”, begrüßt Cineplex-Geschäftsführer Florian Wildmann die Gäste im Kino 1 des Goslarer Theaters. “Bundestrainer” Theo Vagedes sei derzeit dem schlechten Wetter entflohen und lässt es sich im Urlaub gutgehen.

Als erster Kandidat betritt der Bottroper Benjamin Eisenberg die Bühne. Er bestätigt gleich zu Beginn nach kurzer Vorstellung: “Bottrop – das ist die Stadt, wo die Altkleidersammlung die Säcke nicht abholt, sondern hinbringt.” Die ganze Region sei pleite, in Oberhausen würden selbst schon die Mäuse anfangen zu hamstern. Schuld daran seien meist die Steuerzahlverweigerer wie Ulli Hoeneß, der ja nach kurzer Zeit schon wieder Präsident des FC Bayern war. “Das ist ja so, als würde ich dem Richter sagen: ‘Ja, ich haben den Mann erstochen, aber ich war auch schon mal bei der Blutspende’.” Eisenberg überzeugt mit politischem Kabarett und brillianten scharfsinnigen Pointen. “Wer als Politiker wirklich Eier hat, hat gar keinen Platz mehr, sich die Taschen vollzustopfen.” Gekonnt imitiert er Staatsoberhaupt Angela Merkel und gibt den Goslarern sogar einen Crashkurs für die perfekte Merkel-Parodie. Eigentlich ganz einfach, wenn man die drei Punkte beachtet: Die richtige Mimik, eine typische Merkel-Geste und einen passenden Merkel-Satz – schon klappt es. “Ich stelle Ihnen auch ein Zertifikat aus. Für den Bachelor reicht’s allemal.” Eisenberg guckt sich um: “Wer nicht mitmacht, muss nachsitzen. Und dann machen Sie nicht die Merkel, sondern den Seehofer!”

Scharfsinnig, mimikreich und wortgewandt: Benjamin Eisenberg.

 

Leicht habe es die Merkel – besonders in Hinblick auf die Flüchtlingspolitik – nicht, vorallem in Sachsen-Anhalt nicht. Die Menschen dort hätten die Kanzlerin beworfen und mit keinem Ei getroffen. “Die hätten bei den Bundesjugendspielen noch nicht mal ne Teilnehmerurkunde bekommem”, ist Eisenberg fassungslos. Genauso erstaunt ist er über ein nicht allzu altes Interview Sigmar Gabriels in der WAZ. Der Goslarer habe von seinen Lehrern eine Empfehlung für die Sonderschule gehabt. “Tja, DAS ist Demokratie! Sonderschüler können Außenminister werden.” Gabriel sei allerdings auch mal SPD-Beauftragter für Pop-Musik gewesen. “Das weiß kaum einer. Ist aber so. Siggi-Pop!” Von der Außenpolitik über Erdogan, gelangt der Kabarettist direkt nach Amerika zu Terroristen (“Terroristen sind wie Gürteltiere: viel Panzer, aber wenig Hirn!”) und Donald Trump (“Da macht sich der Pinocchio-Effekt breit: Mit jeder Lüge wächst der Lümmel und schrumpft das Hirn. Der Unterschied: Pinnocchio wurde ein Mensch und Trump bleibt ein Holzkopf.”). Hart, schonungslos und offen bringt er die Tatsachen auf den Punkt: “Die sind doch nicht mehr ganz dicht!”

Auch nicht ganz dicht sei die EZB, denn die wollen angeblich Negativzinsen auszahlen. “Das ist ja genauso, als würde der Handwerker Ihre Spüle reparieren und Sie würden danach sagen: ‘So, und jetzt zahlen Sie mir 20 Euro die Stunde!’.” Eisenberg erzählt eisenhart, dass er sich kürzlich eine Burka gekauft hat. “Ich verstehe immer gar nicht, warum das Freiheitsberaubung sein soll. Damit hat man beste Freiheit fürs Gemächt.” Da käme Stimmung auf – besonders vor einer Moschee. “Probieren Sie’s mal aus”, gibt er den Goslarern auf den Weg.

Gekonnt mimt der Bottroper jeden Politiker – wie hier: Willy Brandt.

 

Das Goslarer Publikum geht nach dem gelungenen Auftakt in bester Stimmung in die Pause, kommt im Foyer zusammen und nutzt die Zeit für Gespräche. Die Künstler mischen sich unters Publikum, beantworten Fragen und sitzen auch während des Auftritts des Gegenübers mit im Saal. Florian Wildmann kündigt nach den 15 Minuten den zweiten Künstler des Abends, Robert Alan, an: “Er hatte mir erzählt, dass er mal Rapper werden wollte, aber da in den Neunzigern alle Rapper erschossen worden sind, wurde er halt Komiker.” Schwungvoll tänzelnd betritt Alan die Bühne: “Hello Motherfuckers” und startet sofort mit einem “swingvollen” Song: “Hey, heute Abend bin ich ziemlich gut drauf. Heut’ fliegen die Löcher aus dem Käse raus.” Gut drauf ist der Komiker wirklich. Gekonnt haut er auf die Tasten seines Pianos, spielt sogar auch mal nur mit dem linken Fuß. Derbe und augenzwinkernd sind seine Sprüche: “Ich dachte erst so, die Kabarett-Bundesliga ist so elitär, aber dann guck’ ich so in eure Gesichter und denk mir: ‘So elitär ist das gar nicht’.” und “Bin auch nicht mehr so jung. Da geht’s mir so wie euch!”

Funky, retro und total durchgeknallt: Robert Alan fühlt sich sichtlich wohl auf der Bühne.

 

Alan nimmt auch sich selbst aufs Korn und erzählt vom Elternabend, als sein Lehrer zu seinen Eltern sagte: “Der Robert ist nicht faul, der Robert ist dumm!” Er singt vom Ostseeurlaub mit der Familie und vom Schwimmen mit Quallen mitten in der Pubertät. Robert träumte vom Sex mit einer Meerjungfrau und dachte den ganzen Tag über die biologischen Möglichkeiten nach. “Das war der Sommer meines Lebens, doch ich hab ihn überlebt”. Quallen begegneten ihm später erneut wieder, als er als Künstler auf einem Kreuzfahrtschiff auf Südostasienreise auf der Insel Penang war. Bevor er den Goslarern von seinen Erlebnissen berichten kann, ruft ihm jemand aus dem Publikum zu, dass auch er auf dieser Reise war. “Oh! Das ist mir ja noch nie passiert. Darauf bin ich jetzt nicht vorbereitet”, gesteht Alan sprachlos, fährt aber dann mit seiner Geschichte fort. Am Strand der Insel hätte er unangenehme Begegnungen mit Feuerquallen gehabt. Er fragt ins Publikum, was gegen dieses Brennen helfen würde. “Genau, Urin! Ich habe also meinen Penis genommen und mir auf den Unterarm gepinkelt. Haha, nein, ich habe nen Rentner gefragt und der hat mir auf den Arm gepinkelt.”

Rentner scheinen Alans Lieblingsthema zu sein. Von der Rentnerin, die ihr Kleingeld an der Kasse ausbreitet und zählt, bis hin zu den älteren Menschen, die sich Lebensmittel aus der hintersten Ecke des Regals hervorholen, ist jeder Typ vertreten. “Da sind doch mittlerweile soviele Konservierungsstoffe in den Lebensmitteln, das die ewig halten. Dann guckt man sich die Leute an und denkt: ‘Naja, schafft ihr eh nicht’.” Kurze Pause. “Danke für diesen kühlen Applaus”, sagt er grinsend. Die Nummer spiele er auch auf Kreuzfahrtschiffen, aber nicht mehr so oft. “Da kam mal ein Rentner zu mir nach der Show und beschwerte sich”, erzählt er. “Ich sagte nur, dass ich Rentner süß finde und wenn ich Glück habe, irgendwann auch mal Rentner werde – aber ohne Rente.”

Künstler der flotten Sprüche und Genie am Piano: Robert Alan.

 

Die Abstimmung kann beginnen.

 

Mit 5,87 zu 4,31 setzte sich Benjamin Eisenberg gegen Robert Alan durch.

 

Der nächste Spieltag ist schon am Samstag, 11. Februar 2017, um 20 Uhr. Wir freuen uns riesig drauf, die beiden Künstler Falk und die HengstmannBrüder im Theater 3 begrüßen zu dürfen.

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