Auftakt zu den 14. Goslarer Filmtagen

 

Im Rahmen der Schulkinowochen Niedersachsen hat die Stadtjugendpflege Goslar erneut ein spannendes Motto für die 14. Goslarer Filmtage gewählt. “Bin ich eigentlich ganz anders?” ist das Thema in diesem Jahr. Ziel der Goslarer Filmtage ist es, die Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen auf dem Gebiet der audiovisuellen Medien, durch einen produktiven und kritischen Umgang mit dem Medium Film zu fördern und ihre Medienkompetenz zu stärken.

Den Auftakt machte eine Eröffnungsveranstaltung am Montag, 6. März 2017, die von der Klasse FOS 16/2 der BBS Goslar/Baßgeige gestaltet wurde. Neben Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk richteten auch Jörg Witte und Eva-Maria Schneider-Reuter von den Niedersächsischen Schulkinowochen ihre Grußworte an alle Beteiligten. Nach einem ergreifenden ersten Film, dem Kriegsdrama “Nebel im August” (Zitat aus dem Film: “Es muss wieder mehr gestorben werden”), standen die Schauspieler Ivo Pietzcker (als Ernst Lossa) und Henriette Confurius den knapp 200 Schülern Rede und Antwort.

“Nebel im August” erzählt die letzten Jahre im kurzen Leben des Halbwaisen Ernst Lossa. Der 13-jährige Sohn fahrender Händler musste früh lernen, sich alleine durchzusetzen. Die Kinder- und Erziehungsheime, in denen er bisher lebte, haben ihn als “asozial” und “nicht erziehbar” eingestuft, weil er sich nicht gerne unterordnet. Wegen seiner rebellischen Art und seines Hangs zu stehlen wird Ernst Anfang der 1940er Jahre in eine Nervenheilanstalt abgeschoben. Als Gehilfe der Pflegekräfte und des Hausmeisters offenbart sich ihm nach und nach die ganze Grausamkeit der Vorgänge in der „Heil- und Pflegeanstalt“. Er erkennt, dass viele der körperlich und geistig behinderten oder psychisch kranken Menschen getötet werden. Zunächst schmiedet Ernst einen Fluchtplan, doch dann versucht er, zusammen mit Oberschwester Sophie, einige der jungen Patienten zu retten. Doch seitdem er den Leiter der Anstalt als Mörder bezeichnet hat, steht Ernst selbst auf dessen Todesliste. Im August 1944 wird er ermordet.

Ivo Pietzcker und Henriette Confurius (li.) beantworten geduldig die Fragen der Schülergruppen.

 

Der Film hat niemanden kalt gelassen. Von der Grausamkeit der damaligen Zeit ergriffen, hatten die Schüler viele Fragen, die sie loswerden mussten. Schwierig stellten sie sich vor allem vor, wie man sich auf diese Rollen vorbereitet. Henriette Confurius spielte die Rolle der eiskalten Krankenschwester, die es im Film völlig gerechtfertigt fand, psychisch und physisch kranken Kindern und jungen Erwachsenen den tödlichen Himbeersaft einzuflößen. Confurius ist ebenso schockiert von der Kaltblütigkeit dieser Epoche, konnte aber gut in diese Rolle schlüpfen. Generell habe am Set eine sehr angenehme Atmosphäre geherrscht. Pietzcker erzählt, dass ein sehr großes Team an Psychologen und Betreuern im Hintergrund agierte und immer für die Belange der Schauspieler und Komparsen da war. “Wir haben ja mit Darstellern gedreht, die wirklich geistig oder körperlich behindert sind”, sagt er. Dies sei eine große Herausforderung gewesen, sodass auch von vornherein mehr Zeit eingeplant worden ist. Gerade beim Dreh mit vielen Kindern müsse man besonders behutsam vorgehen. “Wenn man sich später Gedanken darüber macht, hinterfragt man sich, ob man in dieser Situation genauso mutig gewesen wäre wie dieser Junge”, gibt Pietzcker zu, wenn er an seine Rolle denkt.

 

 

 

Das weitere Programm und mehr Infos zu den Filmtagen findet ihr HIER.

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