Vortrag: Schauspielerin Eva Wiedemann spricht erstmals über Häusliche Gewalt

 

„Hören Sie mich an. Ich spreche stellvertretend für jede vierte Frau. Frauen, die Ihre Hilfe brauchen. Bitte hören Sie hin. Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt, und manchmal kann man nur losgehen, wenn einem jemand die Hand reicht und zur Seite steht, zeigt, dass nur vorwärts eine Richtung ist, dass aufstehen und weitergehen sich lohnt. Auch wenn man selbst kein Ziel mehr sieht.“

Die Schauspielerin Eva Wiedemann war jahrelang massiver Gewalt durch ihren ehemaligen Leben­spartner ausgesetzt – auch noch, nachdem längst alle Bescheid wussten, Polizei, Beratungsstellen, Gericht und andere Behörden längst eingeschaltet, Gerichtsverhandlungen geführt waren. Sie hat alles versucht und ging zurück in die „Höhle des Löwen“, weil unser System sie nicht schützen konnte.

Eva Wiedemann gibt in einem erschütternden Bericht über ihren langen und schmerzvollen Weg tiefe Einblicke in ihre eigene Geschichte und die Möglichkeiten und Grenzen, Betroffene von Partnerschaftsgewalt in unserer Gesellschaft zu schützen.

Im Rahmen der Opferschutzwoche zum Thema „Häusliche Gewalt“, die von der Polizeidirektion Braunschweig und der Generalstaatsanwaltschaft Braunschweig initiiert wird, erzählt Eva Wiedemann im Goslarer Theater von ihren erschütternden Erfahrungen. Der Vortrag findet am Donnerstag, 22. Februar 2018, um 15 Uhr statt und ist für alle Interessierte kostenfrei. Da die Plätze begrenzt sind, bitten wir größere Gruppen und Schulklassen um eine Voranmeldung.

 

Wann und wo?

Donnerstag, 22. Februar 2018, 15-17 Uhr

Goslarer Theater

Breite Straße 86

38640 Goslar

Tel. 05321/2855

Eintritt: kostenfrei

Ich lade Sie ein zu meiner Grabrede, meinem Krankheitsverlauf,
meinem Bericht, meiner Rettung ohne
Heilung, meiner blutroten Liebesgeschichte, meinem
Manifest, meinem Plädoyer. Ich bin der Praxisfall,
eine Nummer von so unsagbar Vielen, und doch nur
ein Mensch. Ich bin leben mit posttraumatischer Belastungsstörung.
Ich bin die geschlagene, misshandelte
Frau, die zurückgeht. Ich bin das Mädchen, das
nichts Böses wollte und dafür bestraft wurde. Ich bin
der lauteste stumme Schrei von Tausenden vor tausend
Taubstummen. Ich bin die, die Sie zum Hinsehen
zwingt. Ich bin Tränen, gehalten von Haut. Und Sprechen
ist wie Scherben zu erbrechen, die der Täter
mich zu schlucken gezwungen hat. Ich bin Opfer. Des
Täters, des Systems.
Ich bin Überlebende.
Ich möchte aufmerksam machen, sensibilisieren,
sprechen, worüber noch immer zu viel geschwiegen
wird. Auf Missstände hinweisen, Wege bereiten,
Hand reichen und das Beste aus meinem Schmerz
und Verlust machen, indem ich anderen Hilfe sein
kann und Berater für Helfende. Ich möchte rückwirkend
meinem Leidensweg einen Sinn geben, aus meiner
Wunde ein Wunder machen. Ich möchte, dass
nicht weggeschaut wird. Ich möchte sprechen gegen
das Verstummen. Hören Sie die stummen Hilferufe.
Niemand hat Gewalt verdient.
Helfen Sie. Ich bitte Sie. Hören Sie hin.“
Eva Wiedemann